Immer mehr Väter wolle einerseits mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, müssen aber andererseits oftmals beruflichen Verpflichtungen nachkommen. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie Sie Familie, Arbeit und Freizeit besser vereinbaren können. Denn die Vereinbarung von Familie und Arbeit muss kein Widerspruch sein.

Fragt man Väter vor der Geburt, ob sie sich vorstellen können, in Väterkarenz zu gehen, so beantworten an die 50 Prozent diese Frage mit „Ja“. Nach der Geburt des Kindes sind es jedoch derzeit nur zirka 9 Prozent aller Väter. Es gibt also eine große Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die Gründe dafür sind vielfältig: Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, negative Reaktionen von Vorgesetzten und ArbeitskollegInnen, höheres Einkommen der Männer im Gegensatz zu den Frauen, eigene Unsicherheiten. Das Ergebnis ist, dass Väter die „Ernährer“-Rolle übernehmen, während die Mütter sich um die Kinder kümmern.

Wie kann eine bessere Vereinbarkeit erreicht werden? Sprechen Sie mit ihrer Partnerin über ihre Wünsche und Vorstellungen und haben Sie ein offenes Ohr für deren Bedürfnisse! Versuchen Sie gemeinsam für Sie beide zufriedenstellende Lösungsmodelle zu finden. Haben Sie sich für ein Modell entschieden, so bedeutet dies nicht, dass dieses in Stein gemeißelt ist. Bedürfnisse ändern sich, vor allem nach der Geburt des Kindes – bleiben Sie also flexibel. Sprechen Sie – so keine negativen Konsequenzen zu befürchten sind – über Ihre beruflichen Änderungswünsche mit Ihrem Arbeitgeber. Setzen Sie Prioritäten und überlegen Sie, welche teuren finanziellen Anschaffungen notwendig sind und welche nicht.

Seien Sie sich auch bewusst, dass es auch für Ihr Unternehmen ein Gewinn ist, wenn es zufriedene MitarbeiterInnen hat. Auch wenn kinder-, familien- und väterfreundliche Unternehmen nicht mehr nur Schlagwörter sind, so sehen doch noch so manche Verantwortungsträger lediglich die Schwierigkeiten, welche für die Betriebe und die Belegschaft bei einer Karenzierung oder Arbeitszeitreduzierung eines Mitarbeiters entstehen. Versuchen Sie, Vorgesetzte und KollegInnen in Gesprächen von den Vorteilen zu überzeugen. Diese sind unter anderem: Höhere Leistungsfähigkeit und Motivation von zufriedenen Vätern; Väter erwerben sogenannte „soft skills“ oder soziale Kompetenzen, wenn Sie Zeit mit ihren Kindern verbringen; auch die emotionale Intelligenz wird gefördert, da im Umgang mit dem Kind Empathie, also das Einfühlungsvermögen, gefragt ist.

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben einen arbeitsrechtlichen Anspruch auf Elternkarenz. Dieser Anspruch beginnt nach dem Ende der achtwöchigen Mutterschutzfrist und muss mindestens 2 Monate dauern. Zudem kann die Karenz maximal zweimal zwischen den Eltern geteilt werden. Wenn Sie in Karenz gehen möchten, müssen Sie ihren Arbeitgeber rechtzeitig schriftlich informieren, da es Meldefristen gibt. Während der Karenz besteht ein arbeitsrechtlicher Kündigungs- und Entlassungsschutz, welcher maximal bis zum Tag vor dem 2. Geburtstag des Kindes dauert. Das Dienstverhältnis bleibt also aufrecht. Darüber hinausgehende Karenzierungen bedürfen einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Arbeitgeber.

WICHTIG: Während der Elternkarenz erhalten Sie keinen Lohn bzw. kein Gehalt!

WICHTIG: Nehmen Sie als Vater zuerst die Elternkarenz in Anspruch, müssen Sie den Dienstgeber spätestens 8 Wochen nach der Geburt über Beginn und Dauer informieren. Nehmen Sie die Elternkarenz später in Anspruch, sollten Sie den Arbeitgeber frühestens 4 Monate schriftlich vor Beginn informieren, da erst ab diesem Zeitpunkt ein Kündigungsschutz besteht.

 

Sollten Sie spezifische Fragen rund um die Elternkarenz haben – z.B. Auswirkungen auf Pensionsversicherungszeit, Abfertigung, Urlaubsansprüche -, wenden Sei sich an Interessensvertreter wie zum Beispiel der Arbeiterkammer oder den Betriebsrat. Weitere Informationen finden Sie unter anderen hier:

Karenz-Regelung

In Österreich können Sie seit 1.1.2010 aus 5 Modellen des Kinderbetreuungsgeldes wählen – dem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld und vier Pauschalmodellen. An dieser Stelle werden nur die wichtigsten Grundlagen zum Kinderbetreuungsgeld angeführt. Es empfiehlt sich, bei spezifischen Fragen zum Kinderbetreuungsgeld ein persönliches Beratungsgespräch zum Beispiel bei der Arbeiterkammer vor Ort (für unselbständig Beschäftigte) oder bei der SVA (für Selbständige) zu vereinbaren.

WICHTIG: Die Leistungen des Kinderbetreuungsgeldes sind unabhängig zu jenen der Elternkarenz zu betrachten! So ist es zum Beispiel möglich, dass die Karenzierung länger andauert als die Bezugsdauer des Kinderbetreuungsgeldes.

WICHTIG: Es kann stets nur ein Modell gewählt werden, welches dann auch für den anderen Elternteil bindend ist. Eine Änderung des Modelles ist nur einmal innerhalb von 14 Kalendertagen nach der erstmaligen Antragsstellung möglich.

Es kann stets nur ein Elternteil das Kinderbetreuungsgeld in Anspruch nehmen, ein Wechsel ist jedoch zweimal möglich. Der Anspruch besteht ab der Geburt des Kindes, ruht aber während des Bezuges des Wochengeldes der Mutter.

 

Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld

Die Bezugsdauer bei der einkommensabhängigen Variante beträgt maximal 14 Monate beim Bezug von beiden Elternteilen und maximal 12 Monate, wenn nur ein Elternteil das Kinderbetreuungsgeld bezieht. Die Höhe des Kinderbetreuungsgeldes beträgt 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, mindestens jedoch 1.000 Euro und maximal 2.000 Euro im Monat. Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld ist somit für Eltern mit einem höheren Einkommen von vorrangigem Interesse.

 

Die 4 Pauschalvarianten

Die insgesamt 4 Pauschalvarianten unterscheiden sich grundsätzlich in der Höhe des Kinderbetreuungsgeldes und in der Länge der Bezugsdauer. Diese sind:

 

Variante 1: 30 + 6 Monate (das heißt maximal 36 Monate, wenn beide Elternteile das Kinderbetreuungsgeld beziehen und maximal 30 Monate, wenn nur ein Elternteil dieses bezieht). Die Höhe beträgt 14,53 Euro pro Tag. Bei dieser Variante ist zu beachten, dass – wenn ein Elternteil die vollen 30 Monate das Kinderbetreuungsgeld in Anspruch nimmt und gleichzeitig in Elternkarenz ist – für die letzten 6 Monate kein Kündigungsschutz mehr besteht.

 

Variante 2: 24 + 4 Monate. Die Höhe beträgt 20,80 Euro pro Tag.

 

Variante 3: 15 + 3 Monate. Die Höhe beträgt 26,60 Euro pro Tag.

 

Variante 4: 12 + 2 Monate. Die Höhe beträgt 33 Euro pro Tag (in etwa 1.000 Euro pro Monat).

Bitte beachten Sie, dass es darüber hinaus viele spezifische Details zum Kinderbetreuungsgeld gibt (zum Beispiel bei Mehrlingsgeburten, bei einer neuerlichen Geburt eines Kindes, zu Kranken- und Pensionsversicherung, zu den Zuverdienstgrenzen). Detaillierte Informationen zu den unterschiedlichen Modellen finden Sie hier:

 

Kinderbetreuungsgeld-Varianten

 

Broschüre der Arbeiterkammer zum Kinderbetreuungsgeld (PDF)

Eltern, die ihren Lebensmittelpunkt in Österreich haben und mit Kindern in einem gemeinsamen Haushalt leben, haben Anspruch auf Familienbeihilfe für diese. Dieser Anspruch besteht für alle Kinder, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben bzw. bis zum vollendeten 24. Lebensjahr (unter bestimmten Voraussetzungen auch bis zum 25. Geburtstag), wenn die Kinder eine berufliche Aus- oder Fortbildung machen. Für dauernd erwerbsunfähige Kinder gibt es keine Altershöchstgrenze.

 

Die Höhe des Grundbetrages der Familienbeihilfe, der monatlich ausbezahlt wird, hängt vom Alter des Kindes ab.

 

Dieser beträgt:

 

  • 109,70 Euro ab dem Monat der Geburt
  • 117,30 Euro ab dem Monat, in dem das Kind 3 Jahre alt wird
  • 136,20 Euro ab dem Monat, in dem das Kind 10 Jahre alt wir
  • 158,90 Euro ab dem Monat, in dem das Kind 19 Jahre alt wird

 

Bei mehreren Kindern erhöht sich dieser Betrag in Abhängigkeit der Anzahl der Kinder. Wenn Sie lohnsteuerpflichtig sind, wird Ihnen monatlich pro Kind der Kinderabsetzbetrag in der Höhe von 58,40 Euro ausbezahlt. Zusätzlich erhalten Sie für Kinder im Alter zwischen 6 und 15 Jahre jeweils im September das Schulstartgeld in der Höhe von 100 Euro. Für erheblich behinderte Kinder erhöht sich die Familienbeihilfe um monatlich 150 Euro.

 

Die Familienbeihilfe können Sie über das zuständige Finanzamt (abhängig vom Ihrem Wohnsitz) oder online über Finanzonline beantragen. Auch können Sie vorab die Höhe der Familienbeihilfe über den Familienbeihilferechner der Arbeiterkammer berechnen.

 

Weitere Informationen zur Familienbeihilfe finden Sie hier:

Familienbeihilfe

oder erhalten Sie über das Familienservice des Bundesministeriums für Familien und Jugend unter der kostenlosen Rufnummer:

0800 240 262

 

Für Väter im öffentlichen Dienst besteht die Möglichkeit, einen unbezahlten Karenzurlaub zum Zwecke der Kinderbetreuung bereits während des Beschäftigungsverbots der Mutter in Anspruch zu nehmen (Frühkarenzurlaub). Innerhalb des Zeitrahmens zwischen Geburt des Kindes und dem Ende des Beschäftigungsverbotes der Mutter (in der Regel acht Wochen) kann der Vater Beginn und Dauer des Karenzurlaubes – unter Berücksichtigung dienstlicher Erfordernisse – frei wählen. Der Frühkarenzurlaub gebührt bis zu vier Wochen. Der "Papamonat" verkürzt die Väterkarenz nach dem Väterkarenzgesetz (VKG) nicht.

 

Frühkarenzurlaub gebührt nur, wenn der Vater mit dem Kind und der Mutter im im gemeinsamen Haushalt lebt und keine wichtigen dienstlichen Interessen entgegenstehen. Der Vater muss außerdem Beginn und Dauer des Karenzurlaubes spätestens zwei Monate vor dem voraussichtlichen Geburtstermin bekanntgeben und in weiterer Folge die anspruchsbegründenden sowie die anspruchsbeendenden Umstände darlegen.

 

In dieser Zeit bleibt der bisherige Sozialversicherungsschutz aufrecht, und zwar unter gänzlicher Übernahme der Beitragslast durch die Dienstgeberin/den Dienstgeber.

Die Elternteilzeit ist eine gute Möglichkeit einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Unter Elternteilzeit wird ein gesetzlich geregelter Anspruch auf Herabsetzung der bisherigen Arbeitszeit verstanden und ist abhängig von der Betriebsgröße (mehr als 20 MitarbeiterInnen) und von der Dauer der Betriebszugehörigkeit (ununterbrochenes Arbeitsverhältnis von länger als 3 Jahre). Es besteht ein Anspruch auf Elternteilzeit bis zum 7. Geburtstag des Kindes.

 

Es ist zu empfehlen, bei Interesse an Elternteilzeit sich vorab genau über die Rahmenbedingungen zu informieren. Machen Sie dies bei einem persönlichen Beratungsgespräch bei Interessensvertretungen oder im Internet:

Elternteilzeit